Die Orchideenwiesen im NSG Vossnacken

Bild: Hiltrud Buddemeier

Man kann davon ausgehen, dass das  breitblättrige Knabenkraut, Dactylorhiza majalis schon in den unzugänglichen Feuchtgebieten des Börniger Bruchs vor der Ansiedlung von Bauern im 11. Jh. heimisch war.

Die auch heute noch reichlichen Wasserströme bilden sich im höher liegenden Bereich Mont Cenis und fließen im Boden dem natürlichen Gefälle folgend nach Norden. Unterhalb der Hangkante –sog. Vossnacken- treten sie in unzähligen Sickerquellen zutage.

Durch die Jahrhunderte währende Nutzung als ein- oder zweischürige Streuwiese oder Extensivweide erhielt sich eine offene Landschaft, die dem Knabenkraut sehr, entgegen kam, so dass bis in die 60er Jahre die Standorte optimal waren.

Seit 1979 bis 1989 (Ausweisung als NSG und LSG im Landschaftsplan der Stadt Herne) war das Gebiet zwischen Castroper Str. und A42 als Gewerbegebiet ausgewiesen. Die Landwirtschaft erlosch. Trotz Widerstandes in der Bevölkerung entstanden auf den Orchideenwiesen drei Halden.

Die Halde Belmers Busch mit U-Bahn Aushub (Mergel), die Halde westl. Vossnacken mit Hausmüll, Bauschutt und U-Bahnaushub und die Halde der BAG Lippe südl. der A42 mit Bergematerial. So dachte man noch 1980 über Feuchtgebiete. Vernichtet wurden nachweislich das Gefleckte Knabenkraut, die Populationen der Blindschleiche, der Waldeidechse, der Geburtshelferkröte, des Wiesenpiepers, des Braunkehlchens und des Kiebitzes und natürlich unzählige andere Tiere und Pflanzen. Geblieben sind die landwirtschaftlichen Flächen im Westen, der Buchenhochwald im Westen (Regenbogenwäldchen) und drei Restfeuchtwiesen, die sog. Orchideenwiesen.

Durch Wiedereinsetzen der typ. Mahd auf den Restflächen durch den BUND und die Stadtverwaltung entstand im Laufe der Jahre ein stabiler Bestand der D. majalis mit etwa 8000 Exemplaren. Das Vorkommen ist eines der größten in NRW auf so begrenztem Raum. Die Art ist in NRW sehr gefährdet und im Ruhrgebiet vom Aussterben bedroht. Wohnungsbau, Industrie, intensive Landwirtschaft und die besonderen Ansprüche der Orchidee an Feuchtigkeit, Besonnung und nahrhaften Boden lassen ihr kaum Raum.

Vergesellschaftet ist sie mit Sumpfdotterblume, zweizeiliger Segge, Hahnenfuß, Kuckuckslichtnelke, Sumpfpippau u.v.a.  In NRW steht auch diese Pflanzengesellschaft der typ. Nasswiesen unter Schutz. Die in Violetttönen variierenden Orchideenblüten mit dem Gelb der Hahnenfußgewächse bilden im Mai ein herrliches Farbspiel.

Die Keimung der winzigen Samen geschieht nur mit Hilfe eines Wurzelpilzes, der das nötige Wasser liefert, fehlt dieser oder wird er durch Kunstdünger geschädigt, wachsen keine Jungpflanzen mehr heran. Floristische und faunistische Untersuchungen der vergangenen Jahre haben den Artenreichtum der Wiesen bestätigt, vor allem das Vorkommen von seltenen Insekten.

 



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