BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Biologische Gewässeruntersuchungen in Herne

Gütebestimmung

Foto: Joachim Pastors

Bei der biologischen Gewässeruntersuchung werden die im Bach lebenden Kleintiere mit einem Sieb erbeutet und anschließend nach ihrer Art bestimmt und ausgezählt.

Zu diesen Kleintieren gehören Schnecken, Muscheln, Krebse, Egel, Insektenlarven und Strudelwürmer. Viele dieser Tiere sind an ganz bestimmte Wasserverhältnisse angepasst. Es gibt sehr anspruchsvolle Arten, die nur in nährstoffarmen und gut mit Sauerstoff angereichertem Wasser überleben können. Andere Arten dagegen halten eine hohe organische Belastung aus und benötigen nur wenig Sauerstoff. Sind Arten im Bach, die als empfindlich gelten, lässt das auf gute Wasserverhältnisse schließen, anderseits bedeutet das Vorhandensein von „Schmutzwasserarten“, dass die Wasserverhältnisse nicht gut sind.

Die einzelnen Tierarten sind so stark an bestimmte Wasserverhältnisse gebunden, dass die Wissenschaft ihnen einen Zahlenindex (Saprobien-Index) zugeordnet hat. Aus Art und Anzahl der bei Untersuchungen gefangenen Tiere kann man dann eine Gewässergütestufe berechnen. Es gibt vier Gewässergütestufen: von "unbelastet" (Stufe 1) bis „übermäßig stark verschmutzt“ (Stufe 4).

Das System funktioniert nur bei Fließgewässern und gibt auch nur Auskunft über die Belastung mit Nährstoffen. Wenn man im Wasser bestimmte Stoffe nachweisen will, ist eine chemische Untersuchung nötig. Die biologische Methode ist jedoch sehr gut geeignet, auch zurückliegende Gewässerbelastungen zu erkennen, denn der Tierbestand erholt sich nach einer Schädigung nur langsam. Für diese Untersuchungen braucht man eine gute Artenkenntnis. Deshalb werden wir stets von Herrn Dipl. Biol. Joachim Pastors (Wuppertal) unterstützt, der die Untersuchungen seit 1985 für uns durchführt.

Herne

Das Gebiet der Stadt Herne ist zum größten Teil bebaut. Es gibt nicht mehr viele Bachläufe, die noch in einem naturnahen Zustand sind. Überwiegend sind die Bäche kanalisiert und dienen als Abwasserzubringer für die Emscher. Im Jahre 1985 begann die BUND-Kreisgruppe Herne mit ersten biologischen Untersuchungen einiger Fließgewässer. Ausgewählt wurden Bachabschnitte, die sich in einem noch halbwegs naturnahen Zustand befanden; meist handelte es sich um Quellbereiche und Bachoberläufe

Bilanz

Insgesamt ist unsere Bilanz recht positiv, die Wassergüte der Herner Bäche liegt im Schnitt bei 1-2. Aber die meisten Bachkilometer sind leider noch immer Abwasserkanäle, hier gibt es noch viel zu verbessern und zu renaturieren. Dass die Stadt Herne, die Landesregierung NRW und die Emschergenossenschaft den ökologischen Umbau des Emschersystems vorantreiben, ist deshalb sehr erfreulich und lässt für die Zukunft hoffen. 

Die Herner Bäche

In Herne sind besonders der Roßbach und sein Zulauf interessant, die sich im Langeloh befinden. Die Gewässergüte liegt bei 1-2, zeigt also nur geringe Belastung. Der Ostbach dagegen musste jahrelang Abwasser aufnehmen und erlangt erst seit kurzem die Wassergütestufe 2. In den zurückliegenden Jahren wurde er noch als „kritisch belastet“ (Stufe 2-3) eingestuft. Schmutzwasserarten wie Egel und Wasserasseln sind im Ostbach jetzt seltener geworden, anspruchsvollere Arten wie der Bachflohkrebs beginnen sich durchzusetzen. Mit der bald beginnenden Renaturierung wird sich der Ostbach weiter verbessern.

Weitere untersuchte Bäche sind: Mühlen- und Ruhmbach im Gysenberg, Storchgraben im Gebiet „Friedrich der Große“, eine Quelle im Vossnacken, der Langelohbach im Östrichtal und die Hemke im Langeloh.

Quelle: http://www.bund-herne.de/themen_und_projekte/naturschutz/gewaesseruntersuchungen/