BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Der Lehr- und Lerngarten am Haus der Natur

Vielfältig nutzbar für Mensch und Natur

Der Lehr-und Lerngarten am Haus der Natur übernimmt in unserer Naturschutzarbeit eine besondere Aufgabe:

Besonders ein Wort beschreibt den Charakter unseres Gartens: Vielfallt

Pflanzenvielfalt

Am Eingang säumen zwei große Staudenbeete den Weg in unseren naturnahen Lehr-und Lerngarten: Wildstauden auf der linken Seite, Gartenstauden rechts vom Weg. Vor allem letztere bieten zu jeder Jahreszeit ein anderes prachtvolles Farbenspiel.

Ein Hochbeet mit Duftpflanzen spricht neben den Augen auch unsere Nase an: Wie unterschiedlich Salbei riechen kann! Die Schokoladenblume duftet gut nach Schokolade, aber nur an warmen Tagen!

Im eingezäunten Bauerngarten wachsen Gemüse und Blumen eingerahmt von kleinen Buchsbaumhecken in „Mischkultur“, genau wie in den Bauerngärten früherer Zeiten. Beim Jäten des „Unkrauts“ zwischen dem Gemüse, kann sich das Auge an der Blütenpracht von Stockrosen, Sonnenhut und Indianernessel erfreuen. Vor unerwünschtem Schneckenbesuch versuchen wir den Bauerngarten durch einen Schneckenzaun zu schützen.

Die Kräuterspirale lässt mit mit Brunnenkresse, Thymian , Rosmarin und anderen Kräutern Gourmetherzen höher schlagen.

Trockenmauer

Im hinteren Teil des Gartens befindet sich die Trockenmauer, die mit ihren zahlreichen Fugen und Ritzen ganz eigene Lebensräume bietet. Eine Trockenmauer bietet für heimische Kleintiere einen wertvollen Unterschlupf und Schutz vor Wind und Wetter. 

Weiterhin ist eine solche Mauer meist aus Natursteinen gebaut und ein interessanter Blickfang im Garten. Diese Mauer eignet sich besonders um unterschiedliche Gartenteile wie den Vorgarten oder andere Bereich optisch voneinander zu trennen oder auch Hanggrundstücke optisch zu gliedern. Die Gartenarchitektur geht mit der entsprechenden Bepflanzung rundherum, harmonisch ineinander über, sodaß hier ein Kleinod für Mensch und Tier im Einklang mit der Natur geschaffen wurde.

Teich

Der größte Anziehungspunkt für Kinder ist im Garten ganz ohne Zweifel der Teich, denn er ist randvoll mit „Leben“. Unser großer Teich bietet vielen Tieren Lebensraum. Reich bewachsen mit Sumpf- und Wasserpflanzen ist er ein ideales Laich- und Aufenthaltsgewässer für drei Molcharten, Grünfrösche und Erdkröten sowie für etliche andere Lebewesen wie z.B. Libellen. Die Kreuzkröte, eine Charakterart der Industriebrachen im Ruhrgebiet, wurde zum Lieblingstier des BUND-Herne. Die meisten dieser Arten schätzen die sonnige Lage des Teiches. Von großem Vorteil für die Amphibien ist auch, dass er keine Fische als Fressfeinde enthält.

Natürlich braucht ein solcher Naturteich keine Pumpen, Filter oder sonstige Technik. Unser Teich hat keine Folie. Stattdessen wird die Wasserhaltung durch eine Tonschicht gewährleistet. Erst nach jahrelanger Haltbarkeit musst sie von einer Fachfirma erneuert werden. Im Uferbereich hatte die Wasserhaltung aufgrund von Trittschäden mit der Zeit nachgelassen. Deshalb wurde der ganze Teich im Spätherbst 2008 ausgeräumt und neu abgedichtet. Zu dieser Jahreszeit befinden sich die Amphibien bereits an Land in ihren Winterverstecken im Garten und der naturnahen Umgebung. So eine Maßnahme ist ein großer Eingriff, aber das Gewässer regeneriert sich schnell.

Kreuzkrötentümpel

Etwas versteckt angelegt befinden sich in unserem Lehr- und Öko-Garten am Haus der Natur vier kleine, flache Tümpel. Wir haben sie im Jahre 2003 mit unserer Kindergruppe - den BUND-Kröten - ausgebaggert, um auch für Kreuzkröten geeignete Laichgewässer zu schaffen.

Diese allgemein seltene Krötenart ist wegen ihrer Vorliebe für vegetationsarme Landschaften heutzutage ganz auf Lebensräume „aus zweiter Hand“ angewiesen. Sie besiedelt im Ruhrgebiet die Industriebrachen und -halden. Kreuzkröten brauchen sehr warme, sonnige Kleingewässer ohne Pflanzenbewuchs, in denen sich die Kaulquappen schnell entwickeln. Das können auch Fahrspuren von schweren Baumaschinen sein, die sich mit Regenwasser füllen. Dass solche Gewässer auch austrocknen, bringt den Kreuzkröten einen entscheidenden Vorteil gegenüber Konkurrenz und Fressfeinden, die mit solch extremen Bedingungen nicht zurecht kommen.

Bei unseren Tümpeln im Garten bemerkten wir schon bald nach der Anlage, dass die Zeit der Wasserhaltung des Bodens zu kurz war, um den Kaulquappen die Entwicklung zu ermöglichen. Deshalb wurden die Tümpel mit Teichfolie zur Abdichtung und z. T. auch mit Abflüssen ausgestattet. Es besteht somit die Möglichkeit, die Kleingewässer gelegentlich trockenzulegen und den Bewuchs zu entfernen. Das geschieht nach einem Pflegeplan, so dass jeder Tümpel alle paar Jahre an der Reihe ist. Natürlich werden die kleinen Tümpel auch von den anderen im Garten lebenden Amphibienarten aufgesucht.

Lehmbackofen

Im August 2008 entstand während eines BUND-Worshops unter fachkundiger Anleitung, im hinteren Teil des Gartens, ein LehmbackofenAus Lehmpulver, Wasser und Quark, wurde zunächst geschmeidiger Lehm gestampft. Dieser wurde in ein Weidengeflecht eingearbeitet, welches ein kuppelförmiges Dach bildet. Nun sind dort das Backe oder einfach nur gemütliche Lagerfeuer möglich.

Auch ein offener Grill ist vorhanden, so dass bei Veranstaltungen mit vielen Menschen auch alle versorgt werden können. 

Nistwand für Wildbienen

Eine Wand aus Lehm und anderen natürlichen Materialien bietet Wildbienen ideale Nistmöglichkeiten. Diese Insekten leben nicht wie die Honigbienen in einem Staat aus tausenden Einzelindividuen, sondern sorgen sich ganz alleine um ihren Nachwuchs. Dazu benötigen sie kleine Löcher, Spalten oder Ritzen, in die sie ihre Eier in kleine Kammern legen können. Rund 120 Kinder wirkten an den vier Tagen einer BUND-Aktion beim Bau der Nistwand mit, hervorragend angeleitet durch einen Lehmbauspezialisten. Viele Füße stampften und schoben in großen Wannen den Lehm, der so zu einem wunderbaren Baustoff wurde. Weidenruten wurden zu Wandgerüsten verflochten. Lehmziegel wurden mit selbsthergestelltem Mörtel aufgemauert. Viele Hände bohrten eifrig zahllose Gänge in dicke Holzscheiben. Den Lehm mit bloßen Händen zu formen und das Weidengeflecht damit auszufüllen erschien einigen Kindern zunächst als viel zu schmutzig und glitschig. Aber sie probierten es doch und bewerteten diese Aufgabe schließlich als Beste von allen.

Natürliches Gartenhaus

Gemeinsam mit vielen „freiwilligen“ Helfern wurde das Dach der Gartenhütte begrünt. In ein Tongranulat wurden „Pflanzen-Spezialisten“ eingesetzt, damit aus einer einfachen Dachfläche ein blühendes Biotop wird. Mit grünen Dächern und Fassaden kann der Natur im Siedlungsraum verloren gegangene Fläche zurückgegeben werden. Inzwischen erfreuen sich Insekten und Gartenbesucher an den Blüten von Mauerpfeffer und Steinbrechgewächsen.

Quelle: http://www.bund-herne.de/ueber_uns/gaerten/lehr_und_lerngarten_am_haus_der_natur/